Servus,
freue mich sehr über die Einladung in dieses Forum, der ich etwas verspätet (aktiv) folge. (Um dies auch gleich los zu werden, wünsche den Betreibern viel Erfolg mit diesem Forum!)
Zu meinem Thema:
Ich bin auf der Suche nach einem Firmenkonto für eine US-Gesellschaft in einem Land, in dem das "Bankgeheimnis" noch eins ist und wo man noch eine gewisse finanzielle Privatsphäre erwarten kann (jedenfall in einem Maße, wie das heute noch möglich ist). Um dies gleich deutlich zu sagen, es gibt dafür weder einen kriminellen noch steuertechnischen Hintergrund, sondern eher eine geistige Anspruchshaltung, weshalb ein Besuch bei einer deutschen Bank von vorn herein ausgeschlossen wurde, da der deutsche Finanzplatz diese Voraussetzungen nicht erfüllt.
Auf meiner fernmündlichen Reise durch die Länder dieser Erde, habe ich sehr tiefgreifend erfahren, wie sehr George Orwell´s "1984" mittlerweile Realität geworden ist. (Ich schildere daher meine bisherigen Erfahrungen etwas ausführlicher, damit andere ähnlich Interessierte evtl. davon auch etwas profitieren können und schließe daran erst meine Fragen an die Forengemeinschaft an...)
Ausgangspunkt meiner Reise war selbstverständlich die für Ihr hochgelobtes Bankgeheimnis bekannte Schweiz. Doch selbst bei der bisher liberalen schweizer Postfinance gilt jetzt, daß man nur noch Firmenkonten für Gesellschaften eröffnet kann, die Ihren Sitz in den der Schweiz angrenzenden Ländern haben. Sich an die 2 großen der helvetischen Banken zu wenden, sollte man auch erst ab einer Einlagebereitschaft ab 100.000 € aufwärts, wenn man nicht mit leicht arroganten Kommentaren abgespeist werden möchte. (Wobei bei meiner Informationssammlung, hier die UBS eine nennenswerte Ausnahme bildete und ich nicht nur einen sehr zuvorkommenden Ansprechpartner hatte, sondern auch einen sehr kompetenten, der nach zielsicherer Evaluation der Motivationen bereit war, sofern das nötige "Kleingeld" für die Anfangseinlage bereit stünde). Für
junge StartUps, die sich mehr durch innovatives Know-how als Einlagekapital auszeichnen, sind jedoch derartige Summen ein hartes Brot.
Die Welt ist aber natürlich größer als die Schweiz. Und vielleicht, so war der logische Gedanke, gibt es andernorts auch ein Plätzchen für´s "kleine" Geld. Und ich wurde fündig. In Belgien und sogar in Luxemburg fand ich renommierte Bankhäuser, die nicht so "wählerisch" bei einer Kontoeröffnung wären, wie die Schweizer. Doch aufgepasst, wenn die deutschen Behörden wollen, gibt es sehr sehr niedrige Hürden für Informationsaustausch mittels Rechtshilfeabkommen ohne das besondere Vorraussetzungen zu erfüllen wären, so daß sich dies als selbstdisqualifizierend herausstellte.
Der nächste Punkt auf der kleiner werdenden Liste: Die Kanalinseln und die Isle of Man. Mittlerweile so stark überlaufen, daß die dortigen Banken schon nicht mehr wissen, wo sie das liebe Geld noch hinschaufeln sollen (wahrscheinlich wird damit vor Ort schon neues Land aufgeschüttet

). (Bekannterweise hat selbst Richard Branson in einem Trust sein Geld auf die Isle of Man getragen.) Doch gerade diese Beliebtheit läßt wohl mittelfristig den Druck größer werden im Rahmen der europäischen "Harmonisierung" mehr Kooperationsbereitschaft in Sachen Informationsfluß zu zeigen. Effekt: Man kann sich nicht sicher sein, ob man dort vielleicht auf einer (auf 2011 eingestellten) "Informationszeitbombe" sitzt.
Der Gedanke lag nicht fern, in Zeiten des Internets den Blick weiter schweifen zu lassen. Karibik und Asien.
Et voilá, die Cayman Islands, die ehemals britische Kronkolonie und fünftgrößtem Finanzplatz der Welt. Das Bankgeheimnis soll in der Praxis lt. diverser Quellen sogar wesentlich stärker als in der dafür bekannten Schweiz sein (in welcher der Verfassungsrang des Bankgeheimnisses mittlerweile ja gerichtlich negiert wurde). Offizielle Rechtshilfeabkommen mit anderen Ländern Fehlanzeige. ABER, unter dem internationalen Druck, haben die USA durchgesetzt, daß sie mit US-Gerichtsurteilen an Informationen herankommen, wenn sie denn unbedingt wollen und bei der neuen Zinsrichtlinie der EU haben die Caymans sich (als UK-anhängiges Territorium) für den Informationsaustausch anstelle der Quellensteuer entschieden. Da dieses natürlicherweise nur für Privatanleger gilt, bieten die Caymans IMHO doch ein großes Maß an Informations-Sicherheit. Was nach 2011 ist, bleibt ähnlich den Kanalinseln mit einem Fragezeichen versehen.
Dafür bieten aber renommierte Großbanken auf den Caymans die Eröffnung von Firmenkonten auf Nachfrage mit allem drum und dran je nach Kontowährung bereits ab 1000 US$ oder 2000 € Anfangseinlage. Einzig der zu erledigende Papierkram ist etwas "überdurchschnittlich".
DOCH und das ist meine Befürchtung, werden bei den deutschen Finanzbeamte alle Alarmglocken leuten, wenn diese auch nur ansatzweise lesen, daß die Firma ein Bankkonto auf den Cayman Islands unterhält, da schon durch diverse Filme, jedem noch so uninformierten Menschen "eingeimpft" wurde, daß nur böse Steuerhinterzieher und Drogenbarone etwas mit den Cayman Islands zu tun haben. Das provoziert in meinen Augen ganz genaue Fragen und Überprüfungen seitens der Behörden. Und Probleme möchte man sich ja ungern an´s Bein binden, nicht wahr?
Die Alternative Asien? Treffer, Singapur tauscht mit nichts und niemandem Informationen aus. Wobei auch das Image Singapurs IMHO wesentlich besser als das der Caymans ist (völlig konträr übrigens zum Punkt "Wo wird verständlicheres Englisch gesprochen"^^). Und selbst die schweizer Banken flüchten mit Ihren besten Kunden in den asiatischen Stadtstaat. Singapurs Finanzdienstplatz boomt wie kaum ein anderer aufgrund des Status als neue Oase der Verschwiegenheit. Fremdwährungskonten setzen wie auf den Caymans nur kleinste Anfangsdeposite voraus. Der erforderliche Papierkram ist auf ein Minimum reduziert, keine Bank stellt große Fragenkataloge in den Gründungsunterlagen. DOCH, jede der drei großen einheimischen Großbanken, möchte entweder, daß die Firma vor Ort beim zuständigen Register mindestens eine "Branch" registriert hat oder sofern dies nicht der Fall ist, einen "Introducer", der bereits Kunde der Bank ist und den potentiellen Neukunden an die Bank empfiehlt. Als ausländische Firma ohne Handelsregisternummer in Singapur oder "Empfehlung" bleiben einem die Türen der Bankhäuser wohl grundsätzlich verschlossen, auch wenn man alle nötigen Dokumente und Nachweise mitbringt.
Meine Frage ist daher zuerst einmal, für welchen der beiden Finanzplätze man sich grundsätzlich entscheiden sollte. Sicher ist Singapur die etwas bessere Wahl, aber lohnt sich Eurer Meinung der Aufwand eine "Branch" (mit den entsprechenden vorgeschriebenen gesetzlichen Anforderungen) in Singapur zu registrieren oder hat jemand einen Vorschlag, wo und wie man einen solchen "Introducer" finden könnte?
Oder ist eine Eröffnung auf den Caymans bezüglich des Image bei hiesigen Behörden doch nicht so problematisch wie man annehmen kann? Gibt es weitere Länder-Alternativen, die ich bisher nicht berücksichtigt habe, wo man bei
zuverlässigen Banken, Konten eröffnen kann, die noch informelle Selbstbestimmung zulassen? Würde mich sehr auf anregende Meinungen freuen, da ich langsam an einem "toten Punkt" angelangt bin

. Könnte daher einen neuen zielführenden Gedankenanstoß gebrauchen, der mich in die ein oder andere Richtung bestärkt oder der einen neue Wege aufzeigt. Bin für alles Konstruktive dankbar

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Beste Grüße,
backdoor2