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Alt 27.03.2007, 14:00
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Beiträge: 13
Standard Erfahrungen aus Süd- und Mittelamerika!

In Süd- und Mittelamerika gelten andere, zum Teil ungeschriebene Gesetze, die man kennen muss, wenn man sich dort sicher und erfolgreich bewegen will. Dies war im Prinzip schon immer so. Nehmen wir als Beispiel die FARC. Sie hat sich in Kolumbien einen festen Platz erkämpft und scheint ihren Einfluss immer weiter auszudehnen. Die Frage, ob die FARC mit Drogen handelt oder ob sie sich „lediglich“ um deren Besteuerung kümmert, können wir hier wohl vernachlässigen. Hier handelt es sich allenfalls um Sprachregelungen bzw. Imagepflege im internationalen Geflecht. Fest steht: Trotz teilweiser formaler Demokratisierung ist in Lateinamerika die Lage auch heute noch alles andere als stabil. Korruption und Zensur sind fester Bestandteil des Alltags. Die Verhältnisse Kolumbiens wurden quasi exportiert, auch wenn man sehen muss, dass die meisten Länder seit eh und je latent oder offen Korruption duldeten – oder dulden mussten. Einzelne Staaten reagierten nicht selten mit massiver Gegengewalt, die am Ende nur Ohnmacht dokumentierte. Ein Filmemacher erklärte den Grund für Korruption und andere Verbrechen so: „“Warum soll ein Polizist tagtäglich sein Leben riskieren, wenn er kaum 270 Euro im Monat verdient?“.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, nach Süd- oder Mittelamerika auszureisen, dort eine Offshore-Gesellschaft zu gründen und/oder geschäftlich tätig zu werden, sollte sich zwingend selbst vor Ort ein Bild machen. Auf die Vermittlungstätigkeiten und Angebote so genannter Firmengründer und pseudo-kompetenter Offshore-Consulter, die im Internet zu Tausenden gegen ein nicht selten astronomisch hohes Honorar ihre Beratungsdienste anbieten, kann man verzichten. Die angeblich so guten Kontakte existieren in vielen Fällen nur in der Fantasie der Anbieter. Auf jeden Fall sollte man sich ggf. von der wirklichen Kompetenz der Berater überzeugen, denn es gibt einfach zu viele, die vom bequemen Sessel in Europa aus agieren und das Land, für das sie ihre Hilfe anbieten, lediglich von der Landkarte her kennen. Sie sind für mich ebenso Schwätzer wie die „blendenden“ Consulter, die von Europa aus Firmengründungen in Süd- und Mittelamerika oder der Karibik anbieten. Geld für solche „Beratungen“ spart man sich besser.

Wenn ein Consulter zum Beispiel die Gründung einer Belize IBC offeriert, sollte er zumindest in der Lage sein, das Prinzip der Rechnungslegung an europäische, insbesondere deutsche Kunden zu erklären. Wer Panama tatsächlich als idealen Offshore-Platz offeriert, dürfte kaum ein erstklassiger Berater sein. Denn das Offshore-Zentrum Panama steht seit Gründung unter dem beherrschenden Einfluss der USA. Von 1983 bis 1989 war es Manuel Noriega, zunächst als Oberbefehlshaber der Armee und später als Präsident, der den Interessen der USA zunächst willfährig entsprach. Man muss wissen: Auch die heutige Regierung und Banken liefern den US-Behörden trotz eines angeblich so scharfen Bankgeheimnisses auf Anfrage inoffiziell alle gewünschten und angeforderten Bankauskünfte und Daten zu Personen und Firmen.

Die beste Vorgehensweise ist immer noch die, das in Frage kommende Land persönlich zu bereisen und sich vor Ort an einen renommierten Rechtsanwalt zu wenden. So ist gewährleistet, dass zum Beispiel eine Offshore-Gesellschaft von erfahrenen und kompetenten Personen gegründet und verwaltet wird. Bei der Gründung über einen Vermittler ist die gewünschte Anonymität zum Teil schon verloren gegangen. Bei einer direkten Gründung vor Ort gibt es keine dubiosen Mitwisser. Das gleiche Procedere gilt für den Fall, dass Sie sich in einem anderen süd- oder mittelamerikanischen Land niederlassen oder geschäftlich tätig werden wollen. Die Korruption ist allseits verbreitet und ohne entsprechende Zuwendungen, zum Beispiel an Regierungsbeamte geht kaum etwas. Auch hier sollten Sie vor Ort einen versierten und renommierten Rechtsanwalt einschalten. Die Anwälte verfügen über die besten Kontakte zu den verschiedenen Regierungsstellen und können Ihr Ansinnen meist auf dem kurzen Dienstwege realisieren. Entsprechende Zuwendungen an Behörden / Regierungsvertreter etc. richten sich in ihrer Höhe danach, ob Sie ein normaler Einwanderer, Geschäftsmann oder ein polizeilich gesuchter und vermögender Wirtschaftskrimineller sind. Ich warne davor hier zu tricksen. Spielt jemand in diesem Punkt nicht mit offenen Karten, kann die Sache böse enden. Denn Neuankömmlinge werden nicht nur von der Regierung beäugt!

In einem Auswanderungsland wie Paraguay spricht sich die Ankunft eines Neuankömmlings schnell herum. Insbesondere die kleinen Betrüger und Abzocker, aus Deutschland geflüchtete Straftäter (wie der allseits in Paraguay wohlbekannte Herr „Hasengruber“), versuchen gleich, Ihnen das Geld durch Erpressung und sonstige kriminelle Machenschaften aus der Tasche zu ziehen. Entsprechende zuvor geknüpfte Regierungs- und Behördenkontakte machen sich dann schnell bezahlt.

Unabhängig vom Land, sollten Sie sich wenn möglich als vermögender Neuankömmling, gleich vor Ort das Wohlwollen der höchsten Regierungsvertreter, darunter Polizei und Justizbeamte, sichern. Die renommierten Rechtsanwälte haben in der Regel dass gleiche Parteibuch wie die Minister oder der Staatpräsident und führen Sie gern in die elitären Kreise ein. Auch hier läuft es über finanzielle Zuwendungen. So erreichen Sie die größtmögliche Sicherheit, die nie mit hundertprozentiger Sicherheit verwechselt werden soll.

In Kolumbien, einem der schönsten Länder, die ich neben Venezuela, Brasilien, Bolivien, Peru, Paraguay und Panama nicht nur bereiste, sondern in dem ich 15 Monate leben durfte, erwartet Auswanderer, Geschäftsreisende, Mitarbeiter von internationalen Konzernen oder wohlhabende Neuankömmlinge noch ein ganz anderes Problem. Halten Sie sich immer vor Augen, dass in diesen Ländern, gegen Geld, jede Dienstleistung erkauft werden kann: Wer sich in Kolumbien seinen ärgsten Feind oder andere Personen vom Hals schaffen will, braucht in Medellin oder Bogota bloß ein in dieser Materie sachkundiges „Büro“ aufzusuchen. Dieses ist allerdings nur durch einen Kontaktmann möglich. Meistens liegen diese Büros hinter einem Billardsalon, einer Trinkhalle oder einem Bordell. Das Prestige eines Büros bestimmt die Art und Weise der Kontaktaufnahme. In ärmeren Büros liegt das Interesse auf einer hohen Zahl preiswerter Geschäfte und nicht auf exklusiven Dienstleistungen. Bei den anderen – bekannt und geschätzt für große Aufträge – ist eine vorherige Terminabsprache nicht unter 8 Tagen möglich. Diese Büros liegen in exklusiven Bürohäusern, ausgestattet mit Eichenmöbeln und Ledersesseln. Sie sind derart elegant, dass kaum jemand die hier verkaufte Dienstleistung erahnen würde. Einen Sicario heuert man hier ab ca. 3.000 USD an. Aufträge in der Mittel- und Oberschicht kosten heute ab ca. 6.000 USD. Auslandsaufträge sind ebenfalls möglich. Soziale und ökonomische Hintergründe lassen die Mordindustrie in Kolumbien, aber auch in Brasilien und Venezuela boomen. Meistens stehen diese Personen, darunter auch jugendliche, in den Diensten der Drogenkartelle, die ihre Ausbildung zum Sicario finanzieren und ihre Familien großzügig unterstützen. Die Ausbildungslager für Sicarios liegen überwiegend im mittleren Magdalena-Gebiet. Die Ausbilder in den nur sehr schwer zugänglichen Gebieten verdienen jährlich nicht unter 500.000 USD. Woher das Salär für die Bezahlung stammt, kann man sich vorstellen. Viele der jungen Sicarios schließen sich später antikommunistischen Gruppen an, der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) oder anderen linken Guerillas.

Gehen Sie davon aus, dass Spähtrupps, Hotel- und Straßenspitzel der allgegenwärtigen Mafia, der Paramilitärs und Guerillabewegungen FARC oder ELN, schnell von ihrer Ankunft und ihrem Aufenthaltsort erfahren. In der Regel werden Ihr Name und Ihre Ankunft schon durch korrupte Beamte der Einreise- und Zollbehörden an die verschiedenen Organisationen weitergeleitet und Sie können schnell zur Zielperson von kriminellen Entführungsbanden werden, die Sie an eine der vielen Paramilitärs und Guerillabewegungen verkaufen. Diese wiederum versuchen, für ihre Freilassung Geld bei der Regierung oder bei ausländischen Regierungen und Firmen zu erpressen. Die Organisationen operieren im Übrigen auch in Panama und ziehen sich dann mit ihren Entführungsopfern in das undurchsichtige Grenzgebiet nach Kolumbien zurück. Die panamesische Regierung vermeidet es allerdings, Entführungen von Geschäftsleuten oder Bankangestellten an die Öffentlichkeit zu bringen, schließlich gehört das Land zu den wichtigsten Offshore-Bankplätzen der Welt. Auch hier können die richtigen Kontaktpersonen im Vorfeld sehr hilfreich sein und unter Umständen Leben retten. Nicht auszuschalten und unberechenbar sind jedoch die bewaffneten Mitglieder der zahlreichen Straßengangs. Man sollte deshalb bestimmte Stadtbezirke von vornherein meiden.

Fazit:
Natürlich möchte ich mit meinem Beitrag keinem User die Stimmung auf Reisen, Auswanderung oder Geschäfte in Süd- oder Mittelamerika vermiesen. Es sind schöne, faszinierende Länder und wenn Sie gewisse Sicherheits- und Spielregeln beachten, steht einem Geschäftserfolg nichts im Wege. Doch noch einmal: Manche Consulter werben oftmals mit großspurigen Sprüchen wie: „Wir können Ihnen bei allen Behördenangelegenheiten behilflich sein. Unsere Partner sind als erfolgreiche deutsche Geschäftsleute seit Jahren im Land und haben beste Kontakte zur Regierung und den Behörden.“ Solchen hohlen Phrasen sollten Sie auf keinen Fall vertrauen. Halten Sie sich von drittklassigen Vermittlern fern. - Ich wollte hier einmal auf die allgemeinen und besonderen Verhältnisse sowie Gefahren hinweisen, die von einigen dieser amateurhaften und deshalb gefährlichen Möchtegern-Consulter nicht angesprochen werden, da sie weder Land noch Leute kennen. Aber zum Schluss noch etwas Positives: Es gibt auch sehr professionell arbeitende Consulter. In diesem Sinne ist mir hier u.a. der User „tropico“ seit langem aufgefallen, den ich vor einiger Zeit auch persönlich kennen lernte.

Beste Grüße
Honest John
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  #2 (permalink)  
Alt 30.03.2007, 12:19
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Registriert seit: 22.03.2007
Beiträge: 2
Standard Paraguay

Für gute Infos zu Auswanderungen, insbesondere Paraguay kann ich euch folgende Seite sehr empfehlen:

Viel Spaß beim Stöbern!
DAVID!


Sehr geehrter divad,

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Admin.

Geändert von Forenleitung (28.01.2008 um 23:11 Uhr).
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  #3 (permalink)  
Alt 26.01.2008, 20:41
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Registriert seit: 26.01.2008
Ort: Itu
Beiträge: 1
Ituaner eine Nachricht über Skype™ schicken
Standard

Ich kann die Ausführungen von honest john auch für Brasilien bestätigen, in dem ich seit fast 3 Jahren lebe.
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  #4 (permalink)  
Alt 11.06.2008, 04:14
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Registriert seit: 08.06.2008
Beiträge: 2
Standard

guten morgen, ich fliege im spätherbst nach montevideo um dort eine S.A. zu gründen. deine warnhinweise über die dortigen strukturen, sehr heftig und ausführlich formuliert, danke, ....auch wenn man sich realistisch betrachtet diese schilderungen im übrigen teil der welt ebenfalls vorstellen kann. ist europa, asien, afrika so viel sicherer als südamerika? treffen kann es einen überall. als ich vor einigen jahren nach osteuropa zog, gott was haben mir die leute da alles an den kopf geworfen, jetzt wäre ich völlig durchgeknallt, da werden nicht nur autos gestohlen sondern auch menschen entführt. die jahre im osten waren und sind noch immer gold, wirtschaftlich und privat.

von südamerika verspreche ich mir viel, leben in chile würde mich reizen.
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