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Tanzschule vergibt Diplome und Doktortitel
Mit einem »Tanz in den Mai« eröffnete der Hamburger Hochschulsport seine neueste Sportstätte, Deutschlands erste Tanzschule für Gesellschaftstänze, die von einer Universität exklusiv für ihre Angehörigen betrieben wird. Damit finden die vielen Standardtänzerinnen und -tänzer besonders unter den Studierenden eine neue Heimat mit passendem Ambiente. Standard- und Lateintänze werden zwar seit vielen Jahren im Hochschulsport unterrichtet, aber bisher mußten die Kursteilnehmer mit normalen Schulturnhallen oder Foyers zufrieden sein. Die neue Tanzschule in Wandsbek bietet einen Ballsaal mit 250 Quadratmetern Parkettfläche, Kronleuchtern und Spiegeln. Im Vorraum lädt eine Bistrobar zum Klönen und Verweilen ein, denn Stil ist wieder in. »Wir sind uns sicher, daß wir mit diesem Angebot den Nerv unserer Tänzerinnen und Tänzer treffen«, sagt Hochschulsport-Leiter und Projektinitiator Thomas Beyer. »Die Nachfrage im ersten Semester bestätigt das. Rund 500 Kursteilnehmer drehten sich bereits im Rhythmus der Standardtänze.« Damit scheint das Anknüpfen an die große Tradition der Räume gelungen, denn bis vor einem Jahr residierte hier die Tanzschule Herde, deren Besitzer aus Altersgründen aufgeben mußten. In den 70er Jahren hatte die Tanzschule Herde intensiv mit dem Studio Hamburg zusammengearbeitet. Live-Übertragungen im Fernsehen und große Künstler standen für gesellschaftliche Höhepunkte in Hamburgs Tanzszene. Der Charme dieser Zeit ist trotz Umbaus und Renovierung großer Teile der Räumlichkeiten erhalten geblieben - nicht nur die »original 70er Jahre Disko-Kugel« erinnert an die Glanzzeiten. Eigentümerin des Hauses ist heute die »Lebenshilfe«, die dort neben ihrer Geschäftsstelle auch behindertengerechte Wohnungen unterhält. So entstand eine optimale Ergänzung der Raumnutzungen, die auch zu gemeinsamen Aktivitäten des Hochschulsports und der »Lebenshilfe« im Tanzsportbereich für Behinderte führen soll; denn das Bewegen zur Musik hat sich in der Behindertenarbeit längst bewährt, und im Hochschulsport bieten die entsprechenden Fachleute Kurse an. Das Tanzhochschul-Konzept ist speziell auf Studierende und Mitarbeiter der Hochschule zugeschnitten. Mit einem Entgelt von 95 Mark für einen Kurs mit 13 Terminen von je 90 Minuten ist auch der finanzielle Aufwand im studentischen Budget unterzubringen. Dafür gibt es Kurse mit unterschiedlichen Niveaus. Tanzabzeichen in Gold, Silber und Bronze sind jedoch nicht das Ziel. »Wir machen keinen klassischen oder steifen Tanzunterricht und vergeben stattdessen augenzwinkernd - je nach absolvierter Kursstufe - Tanz-Bachelors, Tanz-Diplome und Tanz-Doktortitel. Deshalb haben wir die Tanzschule auch Tanzhochschule genannt«, erläutert Beyer. Die Idee zu diesem Unterrichtskonzept hatten die Sportstudierenden Elske Seidel und Olaf Reincke, die schon seit Jahren Tanzkurse im Hochschulsport anleiten. So werden wahlweise Kurse angeboten, die vor allem traditionelle Schritttechniken vermitteln oder in denen besonders viel Wert auf das Einfühlen in die Musik und ihre kulturellen Hintergründe gelegt wird. Wer die drei Kursstufen gemeistert hat, ist dann auch auf glattem Parkett sicher - egal, welche Vermittlungslinie gewählt wurde. Besondere Kurskonzepte befinden sich noch in der Erprobung, werden aber schon gut angenommen. So gibt es einen speziellen Kurs für Tanzmuffel, die zwar keine Lust, aber die Einsicht in die Notwendigkeit des »Tanzenkönnens« haben. Der Kurs »Omas 90ster« weist in die rituellen Tänze anläßlich von Hochzeiten oder anderen gesellschaftlich-familären Großereignissen an nur sechs Abenden ein. Ein besonderer Renner dieses Semester war der Kurs »Tanz und Benim«, der neben den tänzerischen Grundlagen an den 13 Kursterminen auch in gängige Kulturtechniken wie Tischsitten und Benimm um das Tanzen herum einwies. Dieses Konzept scheint den Bedarf der Studierenden zu treffen, die sich in lockerer Form neben dem Tänzerischen auch auf die weitergehenden Anforderungen eines gehobenen Gesellschaftslebens vorbereiten wollen. Viele Studierende scheinen zu ahnen, daß sie sich später auch auf dem gesellschaftlichen Parkett sicher bewegen können müssen. Zusammen mit dem offiziellen Hochschulsport-Partner, der Continentale Versicherungsgruppe, wird derzeit an Kurskonzepten gefeilt, die »fit für Führung« machen sollen und die tänzerische Grundausbildung mit einschließen. Zur Abrundung des Tanzangebots enden alle Kurse mit einem kleinen Abschlußball, bei dem das Gelernte in festlichem Rahmen präsentiert werden kann. Der Eintritt zu diesen Abschlußbällen ist im Kursentgelt enthalten. Im Wintersemester erwartet der Hochschulsport ein volles Haus, denn zusätzlich zu den Kursen an den Wochentagen wird es auch an den Wochenenden Workshops und vor allem Tanzveranstaltungen geben. Die Tanzhochschule soll so eine feste Einrichtung für die Angehörigen aller Hamburger Hochschulen werden. Die Chancen stehen offensichtlich gut, denn die Tanzhochschule liegt zentral am Wandsbeker Markt und ist semesterticketfreundlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell erreichbar. Im engen Umfeld liegen die neuen Top-Wohnlagen für Studierende (Barmbek, Wandsbek, Hamm), und direkt vor der Haustür stehen viele Parkplätze zur Verfügung. Die Tanzhochschule ist also auch auf die volle Auslastung mit 1500 Kursteilnehmern wöchentlich vorbereitet. Während andernorts tanzbegeisterte Männer fehlen, gibt es beim Studententanzen einen Männerüberschuß. »Das können wir kaum steuern, denn niemand muß sich paarweise anmelden. Wer schließlich keine Tanzpartnerin hat, darf natürlich vom Kurs zurücktreten. Lieber wäre uns aber, wenn sich die Studentinnen noch etwas mehr für die Gesellschaftstänze begeistern würden«, meint Beyer zu diesem Problem. Die Tanzhochschule soll neben dem Tanzkursbetrieb auch für Feierlichkeiten zur Verfügung stehen. Denkbar sind für die Hochschulsport-Organsiatoren Fachbereichs- oder Institutsbälle oder auch Absolventenfeiern. Die notwendige Infrastruktur ist vorhanden, der feierliche Rahmen fest eingebaut, und mit der Bistrobar kann über Essen und Getränke verhandelt werden. Quelle: Uni Hamburg
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