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Alt 26.10.2007, 23:08
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Standard Doktortitel oder nicht - was bringt die Promotion? Pro und Kontra Dr-Titel

Doktortitel oder nicht - was bringt die Promotion? Pro und Kontra Dr-Titel

Die Entscheidung für oder gegen den Doktortitel sollte vor allem hinsichtlich der gewünschten beruflichen Zukunft getroffen werden. Auf jeden Fall bedeutet eine Promotion viel Zeit, Geld und Nerven.
Hat man sein Ingenieur-Diplom an einer Technischen Hochschule/Universität gemacht, ist man zur Promotion an einem Fachbereich bzw. einer Fachabteilung im ingenieurwissenschaftlichen Bereich berechtigt. Im Zuge der Anerkennung des FH-Diploms durch die EU ist dies auch für FH-Absolventen möglich – allerdings werden in der Praxis an deutschen Universitäten nur in Ausnahmefällen Fachhochschul-Absolventen zur Promotion zugelassen. Vorgeschaltete „Ergänzungsstudien“ sind nach wie vor die Regel. Trotzdem ist das Interesse in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Entscheidung für oder gegen den Doktortitel sollte vor allem hinsichtlich der gewünschten beruflichen Zukunft getroffen werden. Auf jeden Fall bedeutet einen Promotion viel Zeit, Geld und Nerven.
Promovierte Ingenieure haben sehr gute Karrierechancen und sind für das Management eine gefragte Nachwuchselite. So werden laut VDMA fast zwei Drittel der oberen Managementfunktionen von Ingenieuren besetzt, von denen viele promoviert seien.
Laut einer Doktorandenbefragung des Doktoranden-Netzwerks Thesis entscheiden sich mehr als 80 Prozent der promovierenden Ingenieure für eine Promotion aus Interesse am Thema. An zweiter Stelle motivieren karriereorientierte Gründe zum Doktor-Erwerb. Das Promotionsstudium sollte allerdings nicht als Lückenfüller dienen, weil man keine andere interessante Stelle gefunden hat, oder weil man die Promotionszeit zur Berufsorientierung nutzen möchte. Besser ist es, schon vor der Aufnahme des Promotionsstudiums ein klares Ziel vor Augen zu haben oder die Dissertation bei einem Unternehmen zu schreiben.

Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter

Die Doktorarbeit mit einer Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Hochschulinstituts zu verknüpfen ist der Weg, den die Mehrzahl der Ingenieursdoktoranden geht. Bezahlt werden sie dabei in der Regel nach dem Angestelltentarif für den öffentlichen Dienst (BAT IIa).
Die Einstellung erfolgt entweder für eine Planstelle der Hochschuleinrichtung, als wissenschaftlicher Angestellter mit einer Vergütung aus Forschungsmitteln oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis bei einem Hochschullehrer. Die Verträge sind in der Regel für die Dauer der Forschungsvorhaben befristet.
Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter schließt das Promotionsverfahren meist in vier bis sechs Jahren ab. Dabei ist durchaus wichtig, welche Aufgaben der Doktorand in dieser Zeit erfüllt – der spätere Arbeitgeber erwartet, dass er während der Promotion möglichst viele praktische Erfahrungen sammelt.


Dissertation im Unternehmen

Auch als Angestellter in Forschungs- und Entwicklungslabors von Unternehmen kann man unter gewissen Prämissen eine Dissertation schreiben: Die Forschungsergebnisse dürfen nicht der Geheimhaltung unterliegen und der Arbeitgeber muss sein Einverständnis geben. Wer seine Promotion zielstrebig verfolgt, hat seinen Doktortitel meist innerhalb von fünf bis acht Jahren nach Beginn der Beschäftigung. Schneller geht es mit Unterstützung durch spezielle Industrie-Programme, die im Prinzip nichts anderes sind als Stipendiaten-Programme – aber besser bezahlt werden.


Nicht eingebundene Promotion

Einige Jungingenieure verfolgen ihr Dissertationsprojekt ohne gleichzeitig an einer Hochschule oder in der Industrie beschäftigt zu sein. Verfolgt man diese Strategie, sollten folgende Aspekte bedacht werden:
Betreuung: Während der gesamten Promotionsphase sollte es eine wissenschaftliche Betreuung geben.
Infrastruktur: Es muss für die räumliche und technische Infrastruktur gesorgt werden, die für die Behandlung vieler Themen unerlässlich ist.
Austausch: Der notwendige fachliche und soziale Austausch mit anderen Doktoranden sollte gewährleistet sein.
Kosten: Eine Promotion ist teuer – die meist nötige Erwerbstätigkeit erfordert ebenfalls Zeit und Energie. Deshalb wird die Promotion nicht unbedingt schneller abgeschlossen als in anderen Modellen.


Pro und Kontra Promotion

Bevor man sich als Diplom-Ingenieur zu einer Promotion entschließt, sollte man die Vor- und Nachteile dieses Schrittes genau überdenken. Wer einen guten bis sehr guten Studienabschluss vorweisen kann und viel Spaß an der Forschungsarbeit hat, kann mit folgenden Vorteilen rechnen:
Bearbeitet werden interessante wissenschaftliche Aufgaben, die häufig mitbestimmt werden können.
Für bestimmte Positionen im öffentlichen Dienst ist eine Promotion Voraussetzung, zum Beispiel für eine spätere Tätigkeit als Professor.
In der Industrie werden für bestimmte Stellen (z.B. Vorstandsassistent, hoch qualifizierte Stabspositionen) und für bestimmte Funktionsbereiche (z.B. Forschung und Entwicklung) promovierte Bewerber bevorzugt.
In den Top-Positionen von Unternehmen ist der Anteil promovierter Führungskräfte überdurchschnittlich hoch.
Diesen Vorteilen stehen jedoch eine Reihe von Nachteilen gegenüber:
Aufgrund der langen Bearbeitungszeit für eine Dissertation tritt man erst relativ spät ins Berufsleben ein (das derzeitige Durchschnittsalter liegt im „Dr.-Ing.“-Bereich bei rund 33 Jahren). Manche Unternehmen wünschen sich jüngere Einsteiger.
Oft ist die Vergütung für den Doktortitel in einem Industriebetrieb niedriger als erhofft – vor allem bei überwiegend praktischen Tätigkeiten. Sie liegt häufig unter dem Gehalt nach einer vier- bis sechsjährigen erfolgreichen Tätigkeit.
Die Promotion ist in den Ingenieurwissenschaften nicht automatisch der erste Schritt auf dem Weg zum Hochschulprofessor. Eine wissenschaftliche Laufbahn lässt sich erfahrungsgemäß nur sehr schwer planen.
__________________
McNamara
Wahrheit kann auch mal weh tun
Es lebe der Verbraucherschutz!
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