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Alt 23.07.2008, 17:16
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Standard Karadzic - Massenmörder in Haft

Karadzic - Massenmörder in Haft


Belgrad (AFP) - Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic will sich vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag selbst verteidigen. Damit folgt der 63-Jährige dem Beispiel des in Haft verstorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic. Karadzic verfüge in Serbien über ein Team von Juristen, die ihn unterstützten, sagte sein Anwalt Svetozar Vujacic Vujacic. In Den Haag werde sich Karadzic jedoch allein verteidigen, so wie es dort derzeit "auf brillante Weise" auch der ebenfalls angeklagte Serbe Vojislav Seselj tue. Karadzic war am Montag nahe Belgrad festgenommen worden.
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Vujacic bekräftigte zudem, dass er am Freitag Einspruch gegen eine Überstellung Karadzics an das Haager Tribunal einlegen werde, um diese so lange wie möglich hinauszuzögern. Seinen Angaben zufolge wird der 63-Jährige "nicht vor dem Ende kommender Woche" in die Niederlande überstellt.

Die für Kriegsverbrechen zuständige Staatsanwaltschaft in Belgrad, die über den Einspruch entscheidet, signalisierte jedoch, ihre Frist von drei Tagen nicht auszuschöpfen. Ein Sprecher sagte dem Sender B92, dass Karadzic bereits "am Wochenende oder zu Beginn nächster Woche" überstellt werden könne. Dazu ist zuvor ein Beschluss des serbischen Justizministeriums erforderlich.

Serbische Medien brachten weitere Details aus dem Doppelleben Karadzics ans Licht. Demnach soll er unter seiner falschen Identität Dragan Dabic zuletzt mit einer Frau in Belgrad zusammengelebt haben, die von der Presse "Mila" genannt wird. Eine serbische Tageszeitung bezeichnete das Aussehen von Dabic als das eines "liebenswerten Gurus". Der 63-Jährige hatte sich mit weißen langen Haaren und einem weißen Bart ein neues Erscheinungsbild zugelegt und nahm so unerkannt am öffentlichen Leben in Belgrad und in anderen serbischen Städten teil.

Karadzic' Festnahme sei "ein klares Signal an all jene, die wegen ihrer Beteiligung an Kriegsverbrechen gesucht werden", erklärte Interpol-Chef Ronald Noble. Die internationale Polizeibehörde werde weiterhin eng mit dem UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien zusammenarbeiten - solange, bis auch die beiden mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic und Goran Hadzic gefasst seien.


Den Haag (AFP) - Nach der Verhaftung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic kann es bis zum Prozess vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag noch Monate dauern. Die ersten Schritte sind jedoch bereits gemacht: Noch in der Nacht zum Dienstag verhörte ein Untersuchungsrichter den früheren bosnischen Serbenführer in Belgrad. Danach befand er, dass die rechtlichen Bedingungen für eine baldige Überstellung des 63-Jährigen erfüllt seien. Diese Entscheidung hätte der Untersuchungsrichter nicht zwingend noch am Dienstag treffen müssen. Er hatte dazu eine Frist von drei Tagen.

Nun hat Karadzic die Möglichkeit, innerhalb von drei Tagen Einspruch einzulegen. Sein Anwalt will dies am Freitag tun. Über dieses Gesuch entscheidet dann wiederum innerhalb der gleichen Frist ein auf Kriegsverbrechen spezialisiertes Richtergremium in Belgrad. Gegen dessen Beschluss kann der Beschuldigte nicht mehr vorgehen. Das serbische Justizministerium muss dann abschließend entscheiden.

Karadzic wird im Falle einer Überstellung in das Gefängnis im niederländischen Scheveningen gebracht. Bei seiner Einlieferung muss er von einem Anwalt begleitet werden, der vom UN-Kriegsverbrechertribunal zugelassen ist, ansonsten wird ein Pflichtverteidiger bestellt. Bei seiner Anhörung wird der 63-Jährige gefragt, ob er auf schuldig oder nicht schuldig plädiert. Die Antwort muss Karadzic dem Gericht innerhalb einer Frist von 30 Tagen übermitteln. Karadzic ist wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes angeklagt.

In dem sehr unwahrscheinlichen Fall, dass er sich in allen Punkten schuldig bekennt, umgeht Karadzic einen Prozess. Es würde dann nur einen Gerichtstermin geben, bei dem die Richter das Strafmaß festsetzen. Plädiert Karadzic wie erwartet auf nicht schuldig, muss zunächst seine Prozesstauglichkeit medizinisch festgestellt werden. Dann beginnt die Vorbereitung auf das Verfahren: Der Verteidigung des 63-Jährigen müssen alle bis dahin unter Verschluss gehaltenen Beweise vorgelegt werden, bevor die Anklageschrift verfasst werden kann.

Der eigentliche Prozess beginnt dann mit einleitenden Erklärungen der Anklage und anschließend der Verteidigung. Karadzic will sich wie auch der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic selbst vor dem Haager Tribunal verteidigen. Beide Seiten können Zeugen aufrufen - die jeweilige Gegenseite darf diese ins Gegenverhör nehmen. Karadzic droht lebenslange Haft.


Belgrad (AFP) - 13 Jahre lang suchte das UN-Tribunal für Ex-Jugoslawien nach dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic - und ahnte dabei nicht, dass der ehemalige bosnische Serbenführer unter seinem Tarnnamen sogar im World Wide Web vertreten war. Als Doktor Dragan Dabic unterhielt er die Website Dr. Dragan Dabic - Neuropsihijatar i Bioenergeticar - Neuropsychiatry, Alternative Medicine and Energy, Eastern Meditation, Yoga, Spiritual Cleansing, Chinese Medicine, Medicinal Herbs and Macrobiotic Diet und schrieb hier die frei erfundene Biografie seines neuen Ichs nieder. Dabic sei im südserbischen Dorf Kovaci zur Welt gekommen, habe später in Belgrad gelebt und sich in Moskau zum Psychiater ausbilden lassen, heißt es auf der noch existierenden Seite. Nachdem er in Indien, Japan und China die Kunst der alternativen Heilkunde erlernt habe, sei Dabic Mitte der 90er Jahre in die Heimat zurückgekehrt.
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In Wahrheit wurde Karadzic in Montenegro geboren und lebte später im bosnischen Sarajevo. Das Haager Tribunal wirft ihm unter anderem Beteiligung an dem Massaker von Srebrenica 1995 vor. Karadzic alias Dabic stellt sich im Internet allerdings als friedfertiger Gutmensch dar. Für Hilfesuchende gab er sogar seine Belgrader Postadresse an. Er schwärmte im Internet von Waldspaziergängen mit seinem Großvater und veröffentlichte seine liebsten - angeblich chinesischen - Sprichwörter. "Der, der sich nicht mit seinen Feinden einigen kann, wird von ihnen kontrolliert", lautet eines. Ein weiteres könnte ihn nun in der Haft trösten: "Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel des Kummers über Deinem Kopf fliegen, aber Du kannst verhindern, dass sie Nester in Deinem Haar bauen."


Hamburg (AFP) - Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Radovan Karadzic will sich vor dem Haager UN-Tribunal selbst verteidigen. Die Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug meldete unter Berufung auf Karadzics Anwalt Svetozar Vujacic, der 63-jährige ehemalige bosnische Serbenführer verfüge in Serbien über ein Team von Juristen, die ihn unterstützten. Vor dem Gericht in Den Haag jedoch werde sich Karadzic allein verteidigen, so wie es derzeit "auf brillante Weise" auch Vojislav Seselj tue. Interpol sieht in der Verhaftung Karadzic' ein "klares Signal" an dessen flüchtige Mitstreiter.

Karadzic, der in Den Haag wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes angeklagt ist, war am Montag nahe Belgrad festgenommen worden. Vujacic kündigte an, er werde am Freitag Einspruch gegen eine Überstellung Karadzics an das Haager Tribunal einlegen, um diese so lange wie möglich hinauszuzögern. Im Falle einer Verurteilung muss Karadzic mit lebenslanger Haft rechnen.

Dem serbischen Nationalisten Seselj, dem seit November in Den Haag der Prozess gemacht wird, wird unter anderem vorgeworfen, gemeinsam mit dem in Den Haager Haft verstorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic zur Ermordung von Muslimen und Kroaten in Bosnien, Kroatien und Serbien aufgerufen zu haben. Auch Milosevic hatte sich vor den Haager Richtern allein verteidigt.

Der Fahndungserfolg der serbischen Polizei sei "ein klares Signal an all jene, die wegen ihrer Beteiligung an Kriegsverbrechen gesucht werden", erklärte Interpol-Chef Ronald Noble. Die Gesuchten könnten nicht mehr davon ausgehen, "dass sie der Justiz entgehen können".

Der frühere EU-Verwalter für Mostar, Hans Koschnick, sieht in der Verhaftung Karadzic' eine Chance auf Normalität und Aussöhnung in Bosnien-Herzegowina. Koschnick wies zugleich darauf hin, dass die Verhaftung von Karadzic ohne eine Festsetzung von General Ratko Mladic "nur die halbe Lösung für eine Normalisierung auf dem Balkan" sei.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) wandte sich in der "Welt" gegen einen raschen EU-Beitritt Serbiens nach der Verhaftung Karadzic'. "Wer jetzt aber einen raschen EU-Beitritt Serbiens fordert, blendet die Realitäten aus", sagte Beckstein. Serbien müsse wie alle potenziellen Kandidaten die Kriterien für einen EU-Beitritt strikt erfüllen.
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