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| Tags: oecd, steuerflucht |
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OECD zur Steuerflucht
Das Geschäft mit der Steuerflucht lohnt sich. Zumindest für jene - meist kleinen - Länder, die sich als Oasen für Investoren und Steuersparer anbieten. 35 solcher Offshore-Finanzplätze nennt allein die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Auf bis zu sieben Billionen Dollar soll sich das dort versteckte Vermögen summieren. Deutsche Steuerflüchtlinge legen offenbar vor allem in europäischen Steueroasen ihre Gelder an - aber nicht nur. Längst hat sich herumgesprochen, dass vor allem asiatische Länder, wie Singapur, oder karibische Kleinststaaten das Bankgeheimnis sehr viel strenger beachten und oft geringere Steuersätze verlangen. Andorra Das Fürstentum aus den Pyrenäen kennt keine Vermögens-, Erbschafts-, Einkommens- oder Körperschaftssteuer. Und wer als Anleger nach Andorra kommt, profitiert davon, dass der Zwergstaat mit keinem anderen Land Rechtshilfe-, Amtshilfe- oder Steuerabkommen unterhält. Zusammen mit Monaco und Liechtenstein wird das Land von der OECD als einziger Staat geführt, der sich jeglicher internationaler Zusammenarbeit in Steuerfragen verweigert. Anguilla Die östlich von Puerto Rico gelegene Insel erhebt weder eine Einkommen- noch eine Körperschaftsteuer. Besonders attraktiv ist Anguilla für Unternehmer, die dort schnell, einfach und preiswert eine Gesellschaft gründen können. Antigua und Barbuda In dem östlichen Karibikstaat können ausländische Unternehmer eine Befreiung von der Steuer für bis zu 15 Jahre aushandeln. Eine Einkommensteuer für Privatleute gibt es nicht, allerdings müssen Ausländer für einen Wohnsitz 20 000 Dollar Gebühren im Jahr zahlen. Bahamas Die Inselgruppe ist ein klassisches Steuerparadies. Für Hinterzieher wird das Klima aber rauer: Bestehende Abgaben wie die Grunderwerbsteuer sollen künftig auch tatsächlich eingetrieben werden. Einkommen und Kapitalerlöse werden dagegen nicht besteuert. Bahrain Das ehemalige Öl-Land mausert sich zum internationalen Finanzzentrum. Die steuerlichen Bedingungen für Finanzdienstleister und ihre Mitarbeiter sind kaum zu schlagen: Bahrain existiert ohne Einkommensteuer, die Körperschaftsteuer gilt nur für Ölfirmen. Die Sozialabgaben liegen bei überschaubaren ein Prozent. Bermudas Die Bermudas fordern weder eine Einkommen- noch eine Körperschaftsteuer, die Staatseinnahmen stammen vor allem aus Sozialabgaben für Unternehmen und Importzöllen. Ob es Steuersünder weiter auf die Inseln zieht, ist fraglich. Die Bereitschaft zur Kooperation mit Fahndern in Übersee wächst. Britische Jungferninseln Das britische Überseegebiet musste sich dem massiven internationalen Druck beugen und Vorteile für Offshore-Unternehmen abschaffen - hat daraufhin aber seit 2004 schrittweise die Einkommen- und Körperschaftsteuer für alle gestrichen. Cayman Inseln Das aus drei Inseln bestehende britische Überseeterritorium bietet Steuerfreiheit vor allem für Investmentgesellschaften. Im Wettbewerb mit anderen Steuerparadiesen will die Regierung die Vorschriften für Investoren weiter lockern. Zusätzlich zu den Grund- und Grunderwerbsteuern neue Abgaben einzuführen ist deshalb derzeit keine Option. Dubai Laut Statistischem Bundesamt sind 2006 allein 1 144 Deutsche in die Vereinigten Arabischen Emirate komplett ausgewandert, der Großteil davon nach Dubai. Dort gibt es fast unschlagbare Steuervorteile: Eine Einkommensteuer gibt es nicht, und die Sozialabgaben sind niedrig. 95 Prozent des Bruttogehalts landen in den Taschen der Arbeitnehmer. Hongkong Zuletzt wurde der Spitzensteuersatz von 19 auf 17 Prozent reduziert. Bis zu 85,8 Prozent des Bruttogehalts bleiben in der ehemaligen britischen Kolonie vom Fiskus verschont. Zinsen oder Dividenden sind für ortsansässige Anleger komplett steuerfrei. Die Gewinnsteuer für Unternehmer liegt bei 16,5 Prozent. Kuwait Steuerfreiheit genießen Privatleute auch dort, allerdings sind Aufenthaltsgenehmigungen schwer zu bekommen. Im vergangenen Jahr hat der Golfstaat eine Gewinnsteuer für alle Unternehmen beschlossen. Die dürfte aber kaum abschrecken - sie liegt bei einem Prozent. Labuan Die frühere Pirateninsel, die zu Malaysia gehört, ist eines der am schnellsten wachsenden Offshore-Zentren. Ausländische Offshore-Gesellschaften genießen erhebliche Privilegien, für andere Unternehmen und Privatleute ist die Insel weniger paradiesisch: Die Körperschaftsteuer liegt bei 26 Prozent, die Einkommensteuer hat einen Spitzensatz von 28 Prozent. Luxemburg 2006 wurde die Vermögensteuer abgeschafft, eine Erbschaftsteuer gibt es ebenfalls nicht. Zudem forderte der Fiskus von Zinsen nicht den Einkommensteuersatz sondern pauschal zehn Prozent. Für Dividenden sind maximal 19 Prozent fällig, und Spekulationsgewinne werden nach sechsmonatiger Haltefrist gänzlich verschont. Macao Der Spitzensteuersatz der chinesischen Sonderzone beträgt 15 Prozent. Für Geldwäscher und Steuerbetrüger wird das Land aber unattraktiver: Neue Regeln zwängen die Banken endlich, "die Identität ihrer Kunden zu prüfen", lobte die OECD im Oktober. Malta Mit einem Körperschaftsteuersatz von 35 Prozent liegt die Mittelmeerinsel auf den ersten Blick im europäischen Mittelfeld. Doch eine spezielle Konstruktion macht das Land zur wichtigsten Steueroase innerhalb der EU. Holdings können maltesische Handelsgesellschaften gründen, die in Malta kein Geschäft betreiben, aber Steuern zahlen. Der Großteil wird vom maltesischen Finanzamt an die Holding zurückerstattet. Monaco Privatpersonen müssen keine Einkommensteuer zahlen, auch Erbschaft-, Kapital- und Vermögensteuer erlässt ihnen der Kleinstaat. In letzter Zeit hat das Land an Attraktivität in Steuerfragen verloren: Werden Konten eröffnet oder geschlossen, muss die monegassische Finanzverwaltung informiert werden. Und: Alle Bank- sowie Finanzgeschäfte unterliegen einer Sondersteuer von 17,6 Prozent. Zusammen mit Liechtenstein und Andorra wird das Land von der OECD als einziger Staat geführt, der sich jeglicher internationaler Zusammenarbeit in Steuerfragen verweigert. Niederländische Antillen Die Inselgruppe lockt vor allem vermögenden Senioren. Wer auf den Antillen günstig ansiedeln möchte, muss mindestens 50 Jahre alt sein, eine Immobilie für 230 000 Dollar oder mehr kaufen und einen Hausangestellten 30 Wochenstunden beschäftigten. Dafür müssen im Gegenzug nur zehn Prozent Einkommenssteuerpauschale gezahlt werden. Österreich Das Land gilt nicht gerade als klassisches Ziel für Steuersünder, doch die Alpenrepublik ist international für Anleger jeder Coleur gefragter denn je - vor allem für vermögende Bundesbürger. Hauptgrund ist das österreichische Bankgeheimnis, das weitaus mehr als in anderen Ländern einen wasserdichten Schutz der Privatsphäre in Bezug auf Kapitalanlagen garantiert. Das bedeutet unter anderem, dass deutsche Steuerfahnder im Verdachtsfall kaum Zugriffsmöglichkeiten auf Konten oder Depots haben. Schweiz Derzeit planen elf der 26 Kantone Steuersenkungen für Privatleute. Mit großen Schritten voran marschiert der zentralschweizerische Kanton Obwalden, der im kommenden Jahr einen einheitlichen Tarif von 1,8 Prozent einführen will. Attraktiv ist das Land besonders für reiche Zuwanderer. Das Zauberwort lautet "Pauschalistenstatus". Wer den genießt, darf seine pauschale Steuer individuell mit den Behörden aushandeln. Singapur Nach Angaben der Zentralbank sind in Singapur 108 Geschäftsbanken und 49 Investmentbanken aktiv, um Investoren buhlen noch weitere 178 lizenzierte Finanzdienstleister. Kein Wunder: Die Körperschaftsteuer beträgt nur noch 18 Prozent. Und einer Weltbank-Studie zufolge bietet Singapur für Unternehmen nach den Malediven das transparenteste Abgabensystem der Welt. Ausländische Manager zahlen zwischen 0 und 15 Prozent Einkommenssteuer. Kapitaleinkünfte werden gar nicht angetastet. Die EU vermutet in Singapur besonders viel Schwarzgeld aus Europa. Ein Indiz: Gerade Schweizer Banken wie Crédit Suisse oder UBS haben ihre Präsenz vor Ort massiv ausgebaut. St. Kitts und Nevis Die Körperschaftsteuer auf der Vulkaninsel ist mit 35 Prozent beachtlich, allerdings sind Offshore- Gesellschaften meist steuerbefreit. Eine Einkommensteuer gibt es nicht, Gutverdiener zahlen aber Sozialabgaben. Diese liegen bei zehn Prozent. St. Vincent und die Grenadinen Steuerbefreiungen von bis zu 25 Jahren für ausländische Gesellschaften haben etliche Unternehmer angelockt. Privatleute zahlen dagegen Steuersätze von 10 bis 40 Prozent. Der Spitzensatz soll allerdings schrittweise auf 30 Prozent sinken. Turks- und Caicos-Inseln Das britische Territorium, zu dem 30 Inseln gehören, erhebt weder Einkommen- noch Körperschaftsteuer. Allerdings ist bei Zinseinkünften von Sparern aus EU-Staaten die EU-Zinssteuer von 15 Prozent fällig. Wer auf die Inseln ziehen will, muss dort mindestens 125 000 Dollar investieren. Zypern In keinem anderen Land der Europäischen Union zahlen Unternehmen weniger Steuern. 9,7 Prozent müssen durchschnittlich an den Fiskus abgeführt werden. Außerdem genießen vor allem Anleger bei der Bank of Cyprus ein außerordentlich strenges Bankgeheimnis. Die Weltreise durch die Steuerparadiese mag verlockend sein. Doch das Beispiel Liechtenstein zeigt: Die Lücken werden kleiner, und Steuersünder müssen immer häufiger befürchten, dranzukommen. Quelle: Handelsblatt
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